Ehrlichiose

 

Erreger, Vektoren und Verbreitung

Die canine Ehrlichiose ist eine sehr häufig und weit verbreitete Krankheit und konzentriert sich auf tropische und subtropische Länder, kommt aber bis auf Australien inzwischen weltweit vor. In Europa fand man schon vor über 10 Jahren einen hohen Prozentsatz serologisch positiver Hunde: Türkei 64%, Spanien 40%, Portugal 50% und Süditalien 20%. In einer großangelegten Studie wurde auch eine recht hohe Seroprävalenz bei Hunden auf Sardinien festgestellt. Somit stellt die canine Ehrlichiose auch auf Sardinien ein größeres Problem dar. Der wichtigste Erreger der Ehrlichiose ist Ehrlichia canis, ein Bakterium aus der Ordnung der Rickettsien. Er wird von Schildzecken, vor allem von der braunen Hundezecke, auf Hunde beim Saugakt über den Zeckenspeichel übertragen. Es ist davon auszugehen, dass durch die zunehmende Reisetätigkeit mit Hunden ein Einschleppen der braunen Hundezecken nach Deutschland deutlich zunimmt und somit auch in unseren Breiten immer häufiger Ehrlichiosefälle auftreten, ohne dass die betroffenen Hunde jemals im Süden gewesen sind. Ehrlichia canis befällt Monozyten und Lymphozyten und vermehrt sich hier während der Inkubationszeit von ca. 10-20 Tagen. Dabei wird die zelluläre Abwehrfunktion stark beeinträchtigt. Anschließend verbreiten sich die Erreger in Leber, Milz und Lymphknoten. Es werden zwar sehr hohe Antikörperspiegel gebildet, die aber dann häufig keine Schutzfunktion besitzen.

 

Die Symptome der Ehrlichiose

Die Symptome der Ehrlichiose sind häufig unspezifisch. Nach der Inkubationszeit zeigen die Tiere in der Akutphase häufig die folgenden Symptome:

  • schlechtes Allgemeinbefinden
  • häufiges Fieber & Erbrechen
  • Schwellung der Lymphknoten
  • Nasenausfluss / Nasenbluten
  • beginnende Thrombozytopenie

Nach diesem Stadium können einige Hunde den Erreger eliminieren und gesunden, andere durchlaufen eine subklinische oder chronische Infektion. Das subklinische Stadium kann einige Woche, oder aber auch mehrere Jahre dauern. Zumeist bleiben die Tiere hier symptomlos. Die chronische Infektion geht häufig mit erhöhter Blutungsneigung (Nase, Schleimhäute und Haut) und der Bildung von Ödemen an den Gliedmaßen einher. Es kann auch zu Krämpfen und zur Beeinträchtigung des ZNS kommen. In Folge der Infektion werden vermehrt Gammaglobuline gebildet aus denen Immunkomplexe entstehen, die bei einer zu späten Behandlung durch die daraus entstehenden Niereninsuffizienz zum Tod des Tieres führen können.

 

Gefahr für Tier und Mensch?

Infektionen des Menschen durch den Erreger sind beschrieben, allerdings nur durch die Übertragung durch Zecken. Eine Hund-Mensch-Übertragung ist denkbar, wurde aber bisher noch nicht nachgewiesen. Hingegen ist eine Hund-Hund Übertragung durch direkten Blutkontakt bekannt. Es gibt auch Berichte, dass die als humane monozytäre Ehrlichiose bekannte Infektion des Menschen auf Hunde übertragen wurde. 

 

Vorbeugung

Zunächst sollte man einen nicht unbedingt notwendigen Aufenthalt in endemischen Gebieten mit Hunden vermeiden. Die primäre Maßnahme zur Prävention einer Infektion mit Ehrlichien ist ein effektiver Schutz gegen Zeckenbefall. Es gibt eine Vielzahl von Mitteln, welche äußerlich anzuwendende repellierende (abweisende) und zeckenabtötende Wirkstoffe (z.B. Deltamethrin oder Permethrin) enthalten. Ihr Einsatz ist sehr sinnvoll, da sie die Gefahr des Auftretens weiterer, durch Zecken auf Hunde übertragbarer, Erkrankungen senken. Deltamethrin-haltige Halsbänder sind nebenwirkungsarm und haben eine Schutzwirkung von etwa sechs Monaten. Sie werden besonders während der warmen Jahreszeit empfohlen.

 

Grundlegendes zur Behandlung

Gegen Ehrlichien wird vorzugsweise Doxycyclin (ein Tetracyclin) eingesetzt. Das Antibiotikum wirkt allerdings nur dann effektiv, wenn es in Kombination mit Imidocarb Anwendung findet. Häufig wird eine Behandlung aufgrund eines positiven Antikörperspiegels durchgeführt und dabei außer Acht gelassen, dass eine antibiotische Therapie nur sinnvoll ist, wenn aktive Ehrlichien vorhanden sind. Deshalb ist es wichtig auf eine akute Symptomatik zu achten bzw. vor Behandlungs-beginn einen Erregernachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) durchzuführen. Eine Behandlung aufgrund eines positiven Antikörperspiegels ist nicht nur wenig sinnvoll, sondern auch gefährlich. Ehrlichien können gegen Doxycyclin Resistenzen entwickeln und somit nach erneutem Ausbruch der Erkrankung bei wiederholter Anwendung von Tetracyclinen nicht mehr beseitigt werden.

Als optimale Darreichungsform ist Doxycyclin-Monohydrat zu empfehlen. Die Aussage, dass Doycyclin-Hyclat die ideale Form der Verabreichung darstellt, weil damit ein gleichmäßigerer Tagesspiegel erreicht werden würde ist in der Literatur nicht belegt. In einer früheren Studie wurde hingegen die Bioäquivalenz verschiedener Doxycyclin-Präparate bezüglich Resorption und Verteilung im Körper belegt. Pharmakologisch betrachtet gelten daher alle Doxycyclin-Formen als gleichwertig. Jüngst wurde in einer Dissertation gezeigt, dass Doxycyclin-Hyclat häufig zu Fieber und Reizungen der Speiseröhre führt und deshalb insbesondere bei der Behandlung von Katzen nicht angewendet werden sollte!

Bei der Gabe von Doxycyclin ist zu beachten, dass die Serumspiegel bei paralleler Futtergabe um etwa 20% absinken und dass die Aufnahmefähigkeit im Darm bei gleichzeitiger Gabe von Milch oder anderer calciumreicher Nahrung sogar völlig verloren gehen kann (gilt für alle Tetracycline). Leider hat man selbst bei korrekter Behandlung keine Garantie für eine Erregerelimination. Trotzdem besteht bei guter Haltung des Tieres eine sehr große Chance auf eine langes Leben und das Erreichen des durchschnittlichen Lebensalters.


© 2015 T. Werner


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