Angelo

Wir möchten heute die unglaublich traurige Geschichte von Angelo erzählen, einem wunderschönen Strassenhund mit weißem Fell, der den Menschen vertraute und ihnen ohne Argwohn gegenüber getreten ist.

 

Was ist passiert?

Angelo, der für einen Straßenhund sehr zutraulich war, lief an diesem Tag zusammen mit anderen Hunden in Sangineto, einem Dorf in Süditalien mit gut 1300 Einwohnern, herum. Vier Jugendliche, denen an diesem Tag scheinbar langweilig war beschlossen, in den Tag etwas Spannung und Bewegung hinein kommen zu lassen. Sie fingen aus Spaß und Langeweile den zutraulichen Angelo ein, zogen ihn zu einem Baum und hingen den gutmütigen weißen Hund dort am Hals auf. Im Anschluss quälten sie Angelo zu Tode, indem sie auf den wehrlosen am Hals aufgehängten Hund mit Stöcken und Schaufel einschlugen, bis der grausam gequälte Hund bewegungslos am Baum hing. Sie hatten ihn erschlagen.

Die ganze unbegreifliche Tat wurde von den Jugendlichen gefilmt und das Video in den sozialen Netzwerken wie Facebook gepostet. Nachdem Angelos grausames Martyrium beendet war stellten sich die 4 jungen Männer um den blutenden am Baum hängenden toten Hund herum auf und ließen sich in Siegerpose fotografieren, die Hände erhoben zum Victory-Zeichen. Auch das Foto wurde stolz gepostet. Die schockierenden Bilder wurden mehrere hunderte Mal geteilt. Ereignet hat sich die an Grausamkeit nicht zu überbietende Tat am 25.6.2016 in dem kleinen Dorf Sangineto (Provinz Cosenza) in Kalabrien. Die 4 Mörder sind alle etwas über 20 Jahre alt und heißen Francesco, Lukas, Nikolas und Guiseppe.

 

Was geschah nach der Tat?

Das Video und die Bilder von der unmenschlichen Tat, die ins Netz gestellt wurden, sorgten sehr schnell für große Aufregung und die Behörden in Sangineto sahen sich gezwungen Ermittlungen in diesem Fall aufzunehmen. Obwohl dies auch von Seiten der Gemeinde mit einem großen Widerwillen geschah, waren die Täter aufgrund der selbst zur Verfügung gestellten Beweise schnell gefunden.

Die sadistische Tat schlug wegen der Brutalität und Gnadenlosigkeit hohe Wellen und es ging ein Aufschrei durchs ganze Land. Viele Tierschutzvereine, aber auch Privatleute begannen, sich für die schreckliche Geschichte von Angelo einzusetzen. Die Tierschutzorganisation L'oipa und viele andere nationale und lokale Organisationen haben zu massiven Protestaktionen aufgerufen, die auch im ganzen Land stattfanden. Eine davon fand in Sangineto statt und wurde durch die Behörden und Institutionen vor Ort massiv behindert. In den Netzwerken wurde die Gemeinde vielfach verunglimpft und der Bevölkerung gegenüber Drohungen ausgesprochen.

 

Auch im Internet formierte sich der Protest und gab all denen eine Stimme, denen das Recht der Tiere am Herzen liegt. In Facebook wurde die Community „L'Urlo di Angelo“ (@unitiperangelo) gegründet, zunächst um über das grausame Verbrechen an dem unschuldigen Opfer zu berichten, später um über die aktuellen Ereignisse zu dem Fall auf dem Laufenden zu halten.

 

Wie reagierten die Täter und die Gemeinde?

Die landesweite Empörung führte sogar dazu, dass das Fernsehen für eine Sendung mit dem Titel „Le Lene“ recherchierte. Ein Fernsehteam mit einer Journalistin namens Nina wollte mit den Mördern von Angelo über die Geschehnisse, die sich am 25.6.2016 zutrugen, ein Interview führen. Man wollte den Jugendlichen auch die Möglichkeit geben der aufgebrachten Öffentlichkeit gegenüber Reue zu zeigen für die grausame Tat.

Es kam jedoch ganz anders. Die Jugendlichen zeigten keinerlei Reue, sondern zeigten großen Stolz für ihre Tat. Sie nahmen den Schaden, den sie dem Hund zufügten und den Schaden, den sie durch die Veröffentlichung der Tat der schockierten Gesellschaft zufügten, gar nicht wahr. Das Fernsehteam wurde in Sangineto von vielen Einwohner bedrängt und bedroht. Die Drohungen waren so massiv, dass das Fernsehteam von der Polizei aus Sangineto heraus eskortiert werden musste. In den wenigen Interviews, die zu dem Thema geführt werden konnten, war Unverständnis und viel Aggression von Seite der Bevölkerung zu spüren.

Der Bürgermeister von Sangineto legte mehr Gewicht darauf die jungen Männer in Schutz zu nehmen als sich dafür ein zu setzten, dass die Jugendlichen für die sadistische Tötung des Straßenhundes bestraft werden.

Der verteidigende Anwalt Alessandro Gaetea sagte in einem Interview nach der Anklage, dass die jungen Männer die Tat verübt hätten, weil Angelo in den Tod einiger Ziegen involviert gewesen sein soll, wofür er aber keinen Beweis vorlegen konnte. Die 4 Jugendlichen zeigen angeblich große Reue und haben sich unverzüglich in Psychotherapie begeben.

Ansonsten stießen die Medien bei der Bevölkerung von Sangineto auf eine Mauer des Schweigens. Die Öffentlichkeit ist schockiert, dass sich das Dorf nicht zu der schlimmen Tat äußert. In Süditalien gibt es das ungeschriebene Gesetz des Schweigens, die Omertà. So arbeiten zum Beispiel potentielle Zeugen nicht mit den Behörden zusammen, aus der Angst heraus deswegen Probleme zu bekommen. Die Omertà bezeichnet im engeren Sinne die Schweigepflicht der Mitglieder der Mafia, im weiteren Sinne das Schweigen gegenüber Behörden, um als Pentito (Geständiger) dafür keinen Ärger zu bekommen und bedroht zu werden.

Die mit viel Aggressivität geführten Interviews, das Herunterspielen der Tat durch die Vertreter der Gemeinde und die Mauer des Schweigens in der Bevölkerung führte zu einer weiteren Aufheizung der Lage.

Überrollt durch die enorme Resonanz der Medien nahmen dann aber doch viele Einwohner nach und nach Abstand zu den jugendlichen Tätern und verurteilten die Tat um dem Ruf der Gemeinde nicht zu schaden.

 

Die Anklage

Tierschutzorganisationen und Privatleute verlangten, dass eine hohe Strafe für die beispiellose, sinnlose Quälerei und Tötung des unschuldigen Angelo verhängt wird. Nachdem die Ermittlungen der Behörden sehr unwillig und langsam vor sich gingen kam vier Monate nach der Tat die langersehnte Nachricht, dass das Tribunale di Paola Anklage gegen die 4 jungen Männer erhob und am 27.4.2017 der Prozessauftakt durch die erste Anhörung zur Tat angesetzt wurde. Das ist ein kleiner Schritt nach vorn. Es wird einen Prozess geben, der die grausame Tat an Angelo aufarbeiten wird und die Täter zur Rechenschaft ziehen wird.

 

Welche Strafe erwartet die Täter?

In Italien gilt seit 1.8.2004 Tierquälerei als Verbrechen (Gesetz Nr. 281/91), für das Gefängnisstrafen von bis zu 3 Jahren und hohe Geldbußen vorgesehen sind. Die Strafe für die Tötung eines Tieres ohne Notwendigkeit oder aus Grausamkeit sieht 18 Monate Gefängnis vor und eine zusätzliche Geldbuße von bis zu 15000 Euro.

Da solche Gefängnisstrafen in Italien in der Regel nicht vollzogen werden, verbringen die Mörder von Angelo mit großer Wahrscheinlichkeit keinen einzigen Tag im Gefängnis. Sie werden voraussichtlich zur Ableistung von Sozialstunden verurteilt, weil eine Geldbuße möglicherweise nicht eingetrieben werden kann.

In einem anderen Fall wurde Amore, ein sardischer Hund, an ein Auto gebunden und zu Tode geschleift. Auch hier wurde der Täter im Oktober 2016 nur zu 4 Sozialstunden pro Woche über eine „Probezeit“ von 10 Monaten und zu 500 Euro Geldbuße verurteilt. Ein sehr enttäuschendes Urteil, das zeigt, dass die Möglichkeiten die das Gesetz bietet von den Gerichten nicht einmal annähernd ausgeschöpft werden.

 

Ein Vergleich mit anderen Ländern

In Deutschland hingegen werden für Tierquälerei deutlich höhere Strafen verhängt. Das Amtsgericht Betzdorf hat im März 2015 den jugendlichen Tierquäler Tom Jan Hüsch, der einen Hundewelpen quälte, wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, Nötigung und Bedrohung zu 2,5 Jahren Haft verurteilt. Außerdem darf der Drogenabhängige fünf Jahre lang keine Tiere halten und muss einen Entzug machen. Auch in den USA sind die Strafen für Tierquälerei und Tötung eines Tieres ohne ersichtlichen Grund höher.

 

Warum geschieht so etwas?

Wissenschaftliche Studien in den USA haben ergeben, dass für Täter, die in jugendlichem Alter solche grausamen und gnadenlosen Taten begehen, ein höheres Risiko besteht, dass sie als Erwachsene potentielle Gewalttäter werden und ein großes Risiko für die Gesellschaft darstellen. Hinter einem solchen abartigen Verhalten stecken oft psychische Erkrankungen.

Ursächlich für ein solches Verhalten ist meistens das Fehlen von Liebe und Zuneigung bei Kleinkindern, was zu einer Entwicklungsstörung führt. Die Teile des Gehirn, die für die Emotionen, Toleranz und das Erkennen von Leid zuständig sind bleiben unterentwickelt.

Statistisch gesehen werden 31 % der Gewalttaten auf Tiere von Minderjährigen verübt, 94 % dieser Täter sind männlich und 4 % weniger als 12 Jahre alt.

 Diese Studien zeigen, dass neben Liebe und Zuneigung auch die Erziehung der Kinder zum Respekt für Tiere sehr wichtig ist für ihre Entwicklung.


Schlussgedanken

Die traurige Geschichte von Angelo ist anders als andere. Sie darf nicht unterschätzt werden. Denn die 4 jugendlichen Mörder haben nicht nur den Hund massakriert, sondern gezielt auch das Symbol der bedingungslosen Liebe und Treue, der Gutmütigkeit und des tiefen Vertrauens zum Menschen. Ohne dass Angelo etwas Böses getan hat oder so etwas verdient hätte. Tiere, insbesondere der Hund, sind für den Menschen ein Refugium, bedeuten kritiklose Liebe, sind eine Insel der Zuneigung, ein Trost für Kinder, Kranke, Ältere und Depressive, ein Lächeln oder gute Laune in einer ernsten gestressten Gesellschaft, eine Kur für Autisten, ein Einladung zur Bewegung für Ältere, eine Möglichkeit der Sozialisierung isolierter Menschen.

 

„Jedes Geschöpf hat Angst vor Tod und Gewalt und jedes liebt das Leben“ (Buddha)

 

Murnau 07.02.2017, Tania Loddo und Thomas Bösmiller

 

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